XCM Willingen – Wie man aus Pech und Frust noch einen schönen Samstag macht
Juni 22, 2010 by admin
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Mit MTBvD Castle waren wir direkt in der Team-Zone platziert worden und parkten neben allerhand Downhill-Teams wie Trek, Scott World Racing und Santa Cruz Syndicate.
Sogar einen Wachmann nebst äußerst schlecht gelauntem Wachhund hatte man für uns vorgesehen. Gut, dass sich der MTBvD-Schriftzug auf dem Trikot auch auf MTBvD-Castle wiederfand. Ansonsten würde ich jetzt noch vor dem Eingang warten.
Nach Rahmenbruch im abschließenden Training im Anschluss an 3 1/2 Stunden Autobahngequäle durch das Ruhrgebiet stand Tobias dann plötzlich am Freitagabend nicht nur ohne funktionstüchtiges Sportgerät sondern auch ohne jegliche Motivation da. Nachdem sich auch alle umstehenden Teammechaniker interessiert das Malheur angeschaut hatte, war klar: da war nichts mehr zu retten. Das Schaltauge war am Schaltwerk verblieben, hatte sich aber aus dem Rahmen gerissen.
Viele würden jetzt aufgeben. Wir natürlich nicht.
Trotz “Null Bock auf Garnichts”-Haltung bei diversen Personen entschlossen wir uns, eine Kreation aus Fahrrad Nr.3 in der Ladebucht und den “Resten” von Tobias’ Teambike zu erschaffen. Aus einem gefühlt tonnenschweren Giant-Alu-Rahmen mit Syntace VRO-Vorbau entstand unter Übernahme von Lenker, Bremsen und Pedalen etwas, mit dem man einen Marathon fahren kann. Theoretisch. Die Geometrie passte natürlich überhaupt nicht, der Rahmen war eine Nummer zu klein und den Sattel konnten wir ebenfalls nicht tauschen. Also ideale Vorraussetzungen für den nächsten Tag, als wir um 1 Uhr morgens den letzten Schraubendreher niederlegten.
Für mich war es dann eine Nacht fast ganz ohne Schlaf. Entweder ein Nachbar-Truck war der Meinung um 3 Uhr morgens einen ungedämmten Generator anzuwerfen, betrunkene Festival-Camper liefen grölend durch die Straßen oder ich war damit beschäftigt, Tobias in eine Position zu bugsieren, in der er nicht schnarchte (Denn MTBvD Castle stand schief. Sehr schief. Tobias schaffte es übrigens erstaunlicherweise, dabei weiterzuschlafen).
Frisch, fröhlich und ausgeschlafen (Ironie!) sprangen wir dann um 6 Uhr früh aus den Betten und auf die Rollentrainer zum Aufwärmen. Mit Startblock D durften wir uns dann gaanz hinten anstellen und fingen nach dem Startschuss erst mal an, uns durchs Gemüse an den aberhunderten Fahrern auf den ersten Berg hochzuarbeiten. Tobias schien über Nacht seine Motivation zurückgefunden zu haben und kämpfte sich angetrieben von der Aussicht auf eine heiße Dusche, Pizza und ein warmes Bett durch Nebel und Nieselregen über die Strecke. “Bergauf wurden die Rückenschmerzen mit jedem Anstieg schlimmer und bergab musste ich die Geschwindigkeit rausnehmen, um keinen Sturz mit dem unbekannten Fahrrad zu riskieren.”, berichtete er im Ziel. Eine richtige Entscheidung, denn überall auf der Strecke sah man Fahrer stürzen. Nach einem kleinen Boxenstopp, weil sich Tobias Sattelstütze in den Rahmen verabschiedet hatte, einem mittleren Boxenstopp, weil mir nach Abnehmen meiner Brille (Fog!) Dreck ins Auge geflogen war und einem großen Boxenstopp (obwohl wir sowas mittlerweile auch in ein paar Minuten schaffen) wegen eines Platten bei Tobias, waren wir froh als Willingen wieder näher rückte. Da es bei nur einer Wertungsklasse, nämlich “Kleine Runde – Herren” dann irgendwie doch egal ist, ob es jetzt Platz 99. und 100. oder 146. (Matthias) und 147. (Tobias) werden, waren wir zusammen geblieben und erleichtert, dass wir es trotz allen ungünstigen Umständen und Voraussetzungen vor allem vollständig und heil ins Ziel geschafft hatten.
Waldemar Fuchs erreichte Platz 18. auf der Mittleren Runde und platzierte so das MTBvD A-Team in den den Top20 – Gratulation! Max Messing wurde auf der Strecke stark ausgebremst und beende die Kleine Runde auf Platz 289.
Ein paar Bilder – mit exklusiven Einblicken in die MTBvD-TechArea:
MTBvD Castle in der Team-Area. Jetzt auch im Set mit hochwertigem 500W-Baustrahler erhältlich.
Ausgeschlafende Fahrer beim Aufwärmen. Tobias (1439) sucht gerade noch seine Motivation, Matthias ein Bett.
Jeder Marathon hat mal ein Ende. Auch wenn das so aussieht, als ob wir uns gerade gegenseitig vom Rad werfen wollen – wir verstehen uns eigentlich ganz gut.
Perfekte Betreuung: Jacke, Cola und Handtuch im Ziel. Aber um das mal grundsätzlich festzustellen: Ich bin nicht zu klein geraten sondern 1,80m gross und damit ziemlicher Durchschnitt. Tobias (rechts) liegt dagegen irgendwo um die 1,95m. Das liegt bestimmt an den ganzen Doping-Spritzen* (siehe Rennbericht Oelde).
Nach warmer Dusche, einem Stapel Pizza-Baguettes und Eiweiß-Shakes haben wir dann erst mal eine Stunde lang die Besucher und Regentropfen beobachtet während wir die Beine im warmen Bett hoch legten. Die Bikes waren danach aber leider immer noch dreckig.
Sehr dreckig.
Also los. Getreu dem Motto “Don’t be gentle, it’s a rental” immer drauf mit dem Kärcher.
Wir haben ja alles dabei.
Tobias kann schon wieder lachen und schraubt sogar in Teambekleidung.
Frisch geputzt sind Räder am schönsten.
Unsere Nachbarn, Santa Cruz Syndicate, bevorzugten eher schwerere Maschinen.
Rückbau: Aus dem Giant-Experiment müssen wieder zwei Räder werden.
Schrauben…
…schrauben…
…und recherchieren. Das passende Drehmoment sucht sich Tobias aus einer Liste auf der Tür des Laderaums heraus. Bitte beachten Sie auch unseren Reifen-Sponsor
– Daneben hängen dann noch weitere Checklisten für Alles und Jeden…
… und zwischendurch einen Schluck Kaffee mit einem Schuss Bremsenreiniger und einem Tröpfchen Isopropanol.
Auf dem Boden sieht man es – der Samstagnachmittag war nass. Also nichts wie weg hier aus Willingen und auf zum nächsten Rennen.
Nächster Halt: SKS Cup in Haltern am See, 27. Juni
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